Häufige Fragen zu Legionellen
Was sind Legionellen, wie gefährlich sind sie, und wer muss wann auf sie prüfen lassen? Diese Seite beantwortet die wichtigsten Fragen zu Ansteckung, Symptomen, Prüfpflicht und Sofortmaßnahmen – mit Quellenangabe zu RKI und Trinkwasserverordnung. Rechtsverbindliche Auskünfte zu Ihrem Einzelfall erteilt das zuständige Gesundheitsamt.
Bundesweite Zahlen
Legionellose in Deutschland – warum Prävention zählt
2.235
gemeldete Fälle 2024
+75 % gegenüber 2020 (1.276 Fälle) – Tendenz weiter steigend
Quelle: RKI (SurvStat)
5–10 %
Letalität
Bei im Krankenhaus erworbenen Infektionen bis zu 13 %
Quelle: RKI-Ratgeber Legionellose
75–80 %
der Fälle sind über 50 Jahre alt
Männer 2–3-mal häufiger betroffen als Frauen
Quelle: RKI-Ratgeber Legionellose
bis 36
geschätzte Fälle je 100.000 Einwohner
Gemeldet werden nur ca. 1,7–3,5 je 100.000 – hohe Dunkelziffer durch fehlende Diagnostik
Quelle: RKI-Ratgeber Legionellose
Häufungen zeigen sich saisonal in den Sommer- und Herbstmonaten, wenn Warmwassersysteme wärmere Temperaturen erreichen. Grundlage: RKI SurvStat & RKI-Ratgeber Legionellose.
Grundlagen
Was sind Legionellen – und wie gefährlich sind sie?
Was sind Legionellen?
Stäbchenförmige Bakterien, die natürlich in geringer Zahl in Gewässern und im Erdreich vorkommen. In Warmwassersystemen von Gebäuden können sie sich bei günstigen Bedingungen stark vermehren und beim Einatmen von feinem Wassernebel Krankheiten auslösen.
Wie stecke ich mich an?
Ausschließlich durch das Einatmen von feinstem, vernebeltem Wasser (Aerosol) – etwa beim Duschen, in Whirlpools oder über Klimaanlagen. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung spielt laut Robert Koch-Institut in der Praxis keine Rolle.
Ist es gefährlich, legionellenhaltiges Wasser zu trinken?
Nein. Beim Trinken werden die Bakterien durch die Magensäure abgetötet – das eigentliche Risiko entsteht nur beim Einatmen von Aerosolen, nicht beim Trinken.
Welche Krankheiten können Legionellen auslösen?
Zwei Formen: die Legionärskrankheit (schwere Lungenentzündung, Inkubationszeit ca. 2–10 Tage, meist 5–6 Tage, Antibiotika nötig) und das mildere Pontiac-Fieber (grippeähnliches Fieber ohne Lungenentzündung, Inkubationszeit ca. 5–72 Stunden, heilt meist folgenlos ohne Antibiotika aus).
Wer ist besonders gefährdet?
Vor allem ältere Menschen (75–80 % der gemeldeten Fälle sind über 50 Jahre alt), Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Diabetes oder chronischen Herz-/Lungenerkrankungen sowie Raucher. Männer erkranken laut RKI 2–3-mal häufiger als Frauen.
Wie viele Menschen erkranken in Deutschland?
2024 wurden dem RKI 2.235 Fälle gemeldet – ein Anstieg von rund 75 % gegenüber 2020. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Fälle mangels gezielter Diagnostik nicht erkannt werden.
Ursachen & Vorbeugung
Wie entstehen Legionellen im Trinkwasser?
Wann vermehren sich Legionellen?
Bevorzugt bei Wassertemperaturen zwischen 25 und 45 °C – besonders in stehendem, selten durchflossenem Wasser. Oberhalb von 55 °C wird das Wachstum gehemmt, oberhalb von 60 °C sterben die Bakterien ab; unterhalb von 20 °C vermehren sie sich praktisch nicht.
Welche Warmwassertemperatur schützt vor Legionellen?
Nach DVGW-Arbeitsblatt W551 sollte Warmwasser am Speicheraustritt mindestens 60 °C erreichen und im Zirkulationssystem an keiner Stelle unter 55 °C fallen.
Wo treten Legionellen typischerweise auf?
Laut RKI vor allem in zentralen Trinkwassersystemen mit Warmwasserbereitung, Duschen, Whirlpools, Klimaanlagen mit Wasserverdunstung und offenen Rückkühlwerken – überall dort, wo Wasser vernebelt wird.
Was begünstigt das Wachstum zusätzlich?
Stagnierendes Wasser (etwa in selten genutzten Leitungen oder leerstehenden Wohnungen), Ablagerungen und Biofilm in alten Rohrleitungen sowie zu niedrig eingestellte Warmwassertemperaturen.
Prüfung & Recht
Prüfpflicht, Grenzwerte und Meldepflicht
Wer muss auf Legionellen prüfen lassen?
Betreiber von „Großanlagen“ der Trinkwasser-Installation, die Wasser im Rahmen einer gewerblichen oder öffentlichen Tätigkeit abgeben – dazu zählt auch die Vermietung von Wohnraum (§31 TrinkwV). Ausgenommen sind Ein- und Zweifamilienhäuser.
Wie oft muss geprüft werden?
Bei gewerblicher (nicht-öffentlicher) Nutzung mindestens alle drei Jahre, bei öffentlichen Einrichtungen grundsätzlich jährlich, sofern das Gesundheitsamt kein anderes Intervall festlegt (§31 Abs. 2 TrinkwV).
Was ist der Grenzwert für Legionellen?
Der technische Maßnahmenwert liegt bei 100 KBE (koloniebildende Einheiten) pro 100 ml Trinkwasser (Anlage 3 Teil II TrinkwV).
Wer darf die Probe nehmen?
Nur akkreditierte, vom jeweiligen Bundesland zugelassene Untersuchungsstellen – eine selbst entnommene Probe ist für die gesetzliche Untersuchungspflicht nicht verwertbar (§39 TrinkwV).
Was passiert bei einer Grenzwertüberschreitung?
Das Labor muss dies unverzüglich dem zuständigen Gesundheitsamt melden; der Betreiber ist ebenfalls zur unverzüglichen Anzeige verpflichtet, sobald er davon Kenntnis erlangt (§47, §53 TrinkwV), und muss betroffene Nutzer:innen unverzüglich informieren (§52 Abs. 3 TrinkwV).
Muss auch eine einzelne Wohnung geprüft werden?
Die Pflichtuntersuchung erfolgt am zentralen System, nicht zwingend an jeder einzelnen Entnahmestelle. Leerstehende Wohnungen sollten dennoch regelmäßig gespült werden, da stehendes Wasser das Legionellenwachstum begünstigt.
Dies ist keine Rechtsberatung. Verbindliche Auskünfte zu Ihrem Einzelfall erteilt das zuständige Gesundheitsamt oder eine Rechtsanwältin/ein Rechtsanwalt.
Im Ernstfall
Was tun bei einem positiven Befund?
Was sind die ersten Schritte?
Betroffene Entnahmestellen zunächst nicht mehr zum Duschen nutzen, betroffene Nutzer:innen informieren und zeitnah eine Ursachenermittlung sowie Sanierung durch einen Fachbetrieb veranlassen.
Wie schnell wirken Legionellenfilter?
Zertifizierte Endstellenfilter (z. B. nach ASTM F838, TWIN12, log7+) halten Legionellen ab der Montage zurück und ermöglichen so den Weiterbetrieb während Ursachenklärung und Sanierung.
Was kostet eine Prüfung oder Sanierung?
Das hängt stark von Gebäudegröße, Anzahl der Entnahmestellen und Umfang der Maßnahme ab – einen seriösen, allgemeingültigen Richtwert konnten wir nicht finden. Über unsere kostenfreie Vermittlung erhalten Sie ein konkretes Angebot für Ihr Objekt.
Wer hilft mir konkret weiter?
Wir vermitteln kostenfrei geprüfte, unabhängige Gutachter und Sanierungsbetriebe in Ihrer Nähe – für Gefährdungsanalyse, Probennahme oder Sanierung. Wir selbst führen keine Prüfungen durch.
Betrifft mich das?
Passende Informationen für Ihre Situation
Ich bin Vermieter
Prüfpflicht, Meldepflicht, Kosten und Haftung im Detail.
Ich verwalte mehrere Objekte
Koordination von Prüfintervallen über mehrere Liegenschaften.
Ich betreibe ein Hotel
Gästesicherheit und Prüfpflichten für Beherbergungsbetriebe.
Ich leite eine Schule oder Kita
Besonders sensible Nutzergruppen zuverlässig schützen.
Ich vertrete eine Behörde
Strukturierte Vergabe an geprüfte Fachbetriebe.
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